Einst ein lebendiges Dorf östlich von Bedburg, verschwand Frauweiler 1970 unwiederbringlich unter den Schaufeln des Braunkohletagebaus. Die 386 Einwohner wurden größtenteils nach Bedburg-Rath umgesiedelt. Damit endete die jahrtausendealte Geschichte eines seit der Steinzeit besiedelten Ortes.
Archäologische Funde belegen die lange Vergangenheit Frauweilers: Bandkeramische Scherben aus dem 6. Jahrtausend v. Chr. zeugen von den ersten Siedlern. Der Hobbyforscher Peter Krahwinkel entdeckte rund um den Ort zahlreiche römische Artefakte - Töpfe, Schalen, Scherben, Ziegel und sogar ein römisches Ziegelgrab. Diese Funde belegen eine kontinuierliche Besiedlung von der Steinzeit bis in die Römerzeit. Ganz in der Nähe verlief die Römerstraße nach Kaster, deren Überreste gefunden wurden. Obwohl direkte Belege für die fränkische Zeit fehlen, deuten zahlreiche fränkische Funde in der Umgebung darauf hin, dass Frauweiler auch in dieser Zeit besiedelt war.
Frauweiler im Tagebaugebiet (basierend auf Wikimedia © Tobi1983-commonswiki)
Frauweiler wurde im Jahr 1177 erstmals in einer kirchlichen Urkunde als „Wylre“ (= Weiler) erwähnt. Die Witwe des Grafen von Liedberg trat damals mit ihren Töchtern ins Kloster Dünnwald ein und vermachte der Kirche ihren Besitz zwischen Bedburg und Auenheim. Später tauchte der Ort auch unter den Namen Wilzau oder Wilre-Au auf. Im Jahr 1404 wurde überliefert, dass der Ort aus sieben Häusern und einer Kapelle bestand. Frauweiler war ein Straßendorf mit einem kleinen Marktplatz, der unter anderem als Kirmesplatz genutzt wurde.
Im Jahr 1452 rief Gumprecht II. von Neuenahr, Herr zu Garsdorf und Bedburg, drei Schwestern des Ordens des heiligen Franziskus zu sich und schenkte ihnen die Kapelle.
Die Schwestern machten aus der kleinen Bauernkapelle ein Kloster, das sehr zum Missfallen des Pfarrers von Auenheim schnell an Bedeutung gewann.
Die Gründung des Klosters erfolgte im 15. Jahrhundert. Die aufkommende Verehrung der heiligen Jungfrauen, die Kinder schützten und Schwerkranken Hilfe und Obhut gaben, wurde fortan unter dem Namen „Kloster Frauweiler” bekannt.
Über die Jahre wuchs das Kloster. Es wurde ein Mädchenpensionat eingerichtet und Landwirtschaft betrieben.
Bis 1910 war Frauweiler ein rein agrarorientierter Ort, dessen Bevölkerung sich überwiegend aus Bauern zusammensetzte. Dementsprechend prägten größere Höfe wie der Klosterhof oder der Pflugshof das Ortsbild. Danach begann durch den Abbau der Braunkohle ein Strukturwandel, sodass der Anteil der Industriearbeiter nahezu gleich groß wurde.
Um 1900 wohnten 295 Menschen im Ort, deren Zahl bis 1961 auf 446 Einwohner stieg.
Frauweiler gehörte zum Kirchspiel Auenheim und somit zu Kurköln und der Herrschaft Bedburg.
Charakteristisch für den Ort war die am Ortsrand gelegene Klosterkirche, die zusammen mit anderen Bauten einen Hof einschloss.
Ansicht Kirche und Kloster vom Osten
Das Kloster gehörte zum Besitz des Klosters Dünnwald und des Deutschen Ordens. Seit 1452 stand es zunächst unter der Leitung der Franziskanerinnen und ab 1458 unter der der Benediktinerinnen, die es zur Blüte brachten.
Im Jahr 1476 traten die Schwestern zu den Augustinerinnen über. Die dem heiligen Antonius geweihte Kapelle wurde von 1484 bis 1488 zur Klosterkirche, die der heiligen Lucia geweiht ist, umgebaut.
Erst mit der Übernahme durch die Augustinermönche ab 1620 ging es wieder aufwärts, wenngleich immer wieder Rückschläge hingenommen werden mussten, beispielsweise durch Überfälle und Diebstähle während des Dreißigjährigen Krieges.
Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts ging das Kloster durch Einquartierungen und Plünderungen während der Religionskriege zugrunde und wurde schließlich unter Napoleon aufgelöst. Kurkölnische Soldaten nutzten die Gebäude als Ställe.
Kirche St. Lucia, dahinter der Klosterhof
Von 1722 bis 1736 wurde das alte Kloster abgerissen und ein neues gebaut, in dem die Mönche sogar ihr eigenes Bier brauten. Gleichzeitig wurde eine Schule für die Knaben der Umgebung eingerichtet, die bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs bestand. Im Jahr 1899 wurde als Gegenstück zur reinen Knabenschule der Augustiner eine zweiklassige reine Mädchenschule errichtet.
Um 1480 verlegten die Herren von Garsdorf ihr Hofgericht nach Frauweiler. Dessen Schöffen erhielten ein eigenes Siegel, auf dem die drei Jungfrauen Fides, Spes und Caritas (Glaube, Hoffnung und Liebe) abgebildet waren.
Das Kloster wurde 1802 durch die französische Besatzung geschlossen und als Veteranenunterkunft unter der Leitung des französischen Hauptmanns Leonhard Dufour für 22 Invalide genutzt.
Nach dem Abzug der Franzosen erwarb die Familie von Steffens das Kloster und betrieb dort Landwirtschaft. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden schließlich große Teile des Klosters abgerissen. Auf der rechten Seite befinden sich die Stallungen und das Wohnhaus des Klosterhofes. Links neben der Kirche befindet sich die Grabkapelle bzw. die Familiengruft des Adolf Freiherrn von Steffens aus Eschweiler. Sie wurde 1894 erbaut. 1898 wurden Adolf Freiherr von Steffens und sein Sohn Fritz hier beigesetzt. Mit dem Verkauf des Klosterhofs an die Stadt Köln im Jahr 1922 wurde auch die Grabkapelle aufgelöst und die Verstorbenen umgebettet.
Aus dem Kloster wurde später die Pfarrkirche St. Lucia, bis Rheinbraun das Gotteshaus aufkaufte, um dem Tagebau Fortuna-Garsdorf Platz zu schaffen. In der Folge wurden Kirche, Kapelle und die gesamte Ortschaft zwischen 1963 und 1970 abgerissen.
Dorfstrasse mit Kirchturm
Luftaufnahme Frauweiler
Literatur: Dr. Josef Gülpers und Viktor Steffens: Bergheimer Beiträge zur Erforschung der mittl. Erftlandschaft
Frauweiler, Garsdorf, Wiedenfeld - Dörfer im Abbaugebiet der Braunkohle
F.W. NOLL, Heimatkunde des Kreises Bergheim
Fotos: Stadtarchiv Bedburg
LAV Archive NRW
Verein für Geschichte und Heimatkunde Bedburg e.V.