In den USA "well known" - der Werwolf von Epprath
US-Autor Tristan Egolf auf Spurensuche in Bedburg
Nur wenige an Geschichte Interessierte in unserer Region wussten
bis bislang etwas über den Werwolf von Epprath, der im 16.
Jahrhundert sein Unwesen im Bedburger Raum getrieben haben soll.
Für das deutschsprachige Gebiet wurde das Bedburger Verfahren
gegen den Epprather Bauern Peter Stump aus dem Jahre 1589 allerdings
zum prägenden Modell. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der
spektakuläre Fall durch zahlreiche Flugblätter, die dänische
und englische Ausgaben nach sich zogen, weltweit bekannt geworden
ist.
Das Geschehen wird wie folgt beschrieben: Peter Stump, ein Bauer,
wird neben den Morden an Männern und schwangeren Frauen auch
die Ermordung von mehr als einem Dutzend Kindern, darunter seinem
eigenen Sohn, sowie Unzucht, Vergewaltigung und Blutschande mit
Tochter und Schwester vorgeworfen.
Zugleich erschließt dieser Fall noch einen anderen Aspekt
des Werwolfbildes. In den Flugblättern, von denen heute noch
vier Varianten erhalten sind, zeigt sich gewissermaßen die
Sollbruchstelle zwischen dem "alten" Werwolf, wie er möglicherweise
in der mündlichen Überlieferung im Volke kursierte, und
der dämonologisch veränderten Gestalt des neuen hexerischen
Werwolfs.
Alle Flugschriften zeigen in einer Abfolge von Bildern, begleitet
von Prosa- oder Verstexten, recht anschaulich die Gefangennahme,
Verurteilung und Hinrichtung des Angeklagten.
Der dem Flugblatt beigefügte poetische
Text
(1)
Bey bedbur in dem selben land;
hab ich mich jn ein Wolff verwandt
mein leben ein Weil hingebracht
mit Zauberey Gott hab veracht
(2)
Dem bösen Ich mich Vbergeben
Vnd Vil genomen hab dats leben
Dan Ich dreyzehin Kinder klein
als Wolff zerrissen hab allein
(3)
ZWo farwen vnd ein man dartzue
damit ich aber Kein Rhue
Dan Ich mein tochter auch beschlieff
Vnd sunst mit frawen hat geriff
(4)
Biß Ich den maister hanß zutheil
der mich mit Zangen schwert vnd beihl (?)
also du siehst tractiert hat
Vnd mich gesetzt auf ein Rath
Notat des Marcus zum Lamm zu diesem Blatt:
ANNO MDLXXXVI. Ist bey Bedbur ein Zauberer geweßen STVMP PETER
genant, welcher sich in einen WOLF verwandelt vndt in solcher gestalt
selbigen ort vnndt Landts 13. kinder, zwo Frawen vnndt einen Man
zerrissenm wie auch seine leibliche dochter beschlaffen, vnndt mit
anderen weibsbilderen vnsägliche schandt vnnndt Laster, neben
sonst allerlei vnsäglichem Mutwillen geübet vnndt getriben
hatt. Desdwegen er dan den XXXI. Octobeis desselben Jars, mit vnderschiedlochen
Straffen nach außweisung der beigefügten Figur, vom Leben
zum todt gerichtet worden ist.
Einer, der in Lancaster / Pennsylvania (USA) lebt, kennt die Geschichte
dieses "Unwesens" seit seiner Kindheit: Tristan Egolf
(31), von Beruf Schriftsteller, hat sich schon seit seinem 10. Lebensjahr
mit dem Bedburger Werwolf beschäftigt. Während einer Lesereise
durch Deutschland im Mai 2003 machte er einen Abstecher in die Schlosstadt,
um dort auf Spurensuche zu gehen. Der Suhrkamp-Verlag, in dem seine
ins Deutsche übersetzten Bücher erscheinen, nahm im Vorfeld
Kontakt mit dem Vorsitzenden unseres Geschichtsvereins, Heinz-Gerd
Schmitz, auf, der Mister Egolf einen Tag lang durch Bedburg und
zu den Stätten des Geschehens von vor mehr als 400 Jahren führte.
Egolfs neuer Roman, der im kommenden Jahr in der deutschen Fassung
heruakommen soll, handelt von Peter Stumpf, der in der Armee psychisch
erkrankt und aus der Religionsgemeinschaft der Amish ausgeschlossen
wird. Der Romanheld verhält sich in der Folge wölfisch
und fällt Tiere auf den Weiden an.

Tristan Egolf und Heinz-Gerd Schmitz an
den Stätten des geschehens: Im Bedburger Schloss (oben links)
wurde Stump eingekerkert. Im Bereich des heutigen Silverberg-Gymnasiums
(oben rechts) fand im Beisein von etwa 4.000 Zuschauern wahrscheinlich
die Hinrichtung statt.