Kirdorfer Mühle

Schon seit dem Jahr 1200 gab es in Kirdorf eine Mühle.

Ob die Kirdorfer Mühle so aussah wie auf dem unteren Bild ist nicht bekannt, denn ein Bild oder Zeichnung ist bis heute nicht gefunden worden.

Mühlenbild Mühlenbild


Die Kirdorfer Mühle ist eine von drei bekannten Mühlen die am Finkelbach lagen.
Sieht man heute den Finkelbach, so kann man kaum glauben, dass er einst so mächtig war und die Energie hatte drei Mühlen anzutreiben.
Im Osten von Kirdorf, in der Jülicher Börde, entspringt der Finkelbach. Da er fast nur aus Oberflächenwasser gespeist wird haben Rodungen und Kanalisierungen ihm seine ursprüngliche Kraft genommen.

Finkelbach Verlauf des Finkelbachs heute


Auf seinem Weg zur Erft lagen drei Mühlen, die Oberembter Mühle, dann die Richardshovener Mühle und zuletzt die Kirdorfer Mühle.
Der Finkelbach soll jedoch vier Mahl- und Ölmühlen angetrieben haben. So ein Nachweis um das Jahr 1200.
Dies wird in einem Aufsatz "An den heiligen Wassern des Embegrundes" von Heimatforscher Dr. Habrich in der Veröffentlichung von „An Erft und Gillbach“ (Kirchhoff/Braschoss, Köhler, Kreiner, Noll) dargestellt.
Der Name der Mühle ist jedoch bisher unbekannt geblieben.

Die alte Bezeichnung für den Finkelbach ist "Embe", so taucht er in alten Dokumenten auf.

Links und rechts des Finkelbachs sind zahlreiche archäologische Funde bekannt, von der Jungsteinzeit bis zur Römer- und Frankenzeit. Der Finkelbach ist also ein uraltes Siedlungsgebiet und somit auch das Gebiet um Kirdorf.

Tranchot Lage der Mühlen


Die Kirdorfer Mühle wird urkundlich erstmals im Jahr 1288 erwähnt.
Der Graf Adolf vom Berg gab am 27. April 1228 dem Ritter Johannes (auch Princel genannt) die Mühle als „Lehen“. Ob es sich hier um einen Ritter aus der Edelfamilie aus Kaster handelt ist nicht bekannt.

In Lacomblet Buch (Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins) führt er ein „Princel“ von Kaster. Später wird auch eine Verbindung von „Princel“ oder „Princello de Castre“ und Lacomblet Edelfamilie zu Kaster hergestellt.
Kremer, Akademische Beiträge III Seite 186, Redinghovensche Sammlung XXVIII f. 409 und 1148.



Lehen , begrifflich und sprachlich am besten mit leihen zu vergleichen.

Im Mittelalter bekam einer was geliehen/übertragen und dafür schuldet er dem Verleiher was, zum Beispiel im Konfliktfall musste der Beliehene Kämpfer samt Ausrüstung stellen.
Ritter Johann



1339 gehörte die Kirdorfer Mühle dem Essener Stift. Einem der Großgrundbesitzer im Kützgau.
Das Essener Stift hat nach Schenkung durch den lothringischen Königs Zwentibold umfangreiche Güter in unserer Gegend, so auch in Kirdorf. Es gab einen Oberhof in Kirdorf, der später aufgeteilt wurde. In Paffendorf allein gehörten 60 Lehnshöfe dem Essener Stift.



Kützgau , eine fränkische Gaugrafschaft, entspricht einer Verwaltungseinheit.
Das Gebiet Kützgau umfasst in etwa das Gebiet des ehemaligen Kreises Bergheim.

In den Rechnungen des Herzogtums Jülich steht 1398/1399 ein Eintrag über 15 Malter Weizen aus der Kirdorfer Mühle.

In einem Weistum des Fronhofes zu Paffendorf im 15. Jahrhundert wird die Kirdorfer Mühle als „moele ... zo Kyrdorp up dem dame (auf dem Damm)“ aufgeführt, mit weiteren 4 Mühlen.



Das Weistum ist im Mittelalter eine Aufzeichnung von Rechtsgewohnheiten und –belehrungen.


bild Dokument von 1660


1642 besetzten - im 30jährigen Krieg - die hessischen Truppen unsere Gegend. Einige Orte, darunter auch Kirdorf, wurden niedergebrannt. Auch die Kirdorfer Mühle wurde ein Opfer der Flammen. Erst 1658 wurde sie wieder aufgebaut. Ein Dokument aus dem Jahr 1660 hielt dies fest.



Uraufnahme Mühle von Kirdorf (1772)


Aber schon 1740 wird aktenkundig, das der Finkelbach so wenig Wasser führt, das die Kirdorfer Mühle kaum noch mahlen konnte.
In einem Berufungsverfahren um 1740 des Essener Stifts gegen die Baugenehmigungserteilung der Niederembter Windmühle von 1735 durch Johann Gottfried Kleefisch gab das Essener Stift eine Benachteiligung ihrer bei Glesch und Paffendorf liegenden Mühlen an.
Wobei Kleefisch den Mangel an Wasser an der der Kirdorfer Mühle als Grund für den den Neubau der Windmühle angab.





Die Kirdorfer Mühle geht nach 1806 an G. Deplat (Gottfried Deplat), dessen französischer Name darauf schließen lässt, dass er aus der napoleonischen Zeit am Niederrhein „hängengeblieben“ ist.

Zwei Jahre später 1830 erschien eine Anzeige zur Verpachtung der Mühle. Die „in der Bürgermeisterei Paffendorf gelegene Kierdorfer Wassermühle, worin zwei Geläufe und ein Gerstenschälwerk, nebst einem Grasplatze, bis heran genutzt von den Erben Kintgen soll verpachtet werden“

bild Karte von Kirdorf (1836-1850)

1834 erschien nochmals eine Anzeige. Die „Wassermühle zu Kierdorf mit Gartenplätzen und Wiesen soll neu verpachtet werden. Die Fischerei in den Teichen kann in die Pachtung mit einbegriffen werden. Bescheid ist zu haben bei den Eigentümern in Köln Hochstr. 113“

Im Jahre 1837 ist die Kirdorfer Mühle noch im Besitz von Gottfried Deplat und der Pächter hieß Johann Mathias Birmes. Gottfried Deplat war auch seit 1833 Pächter der Mühle in Paffendorf, er verstarb 1876. Sein Erbe übernahm der Sohn Jakob Deplat.



Neuaufnahme Karte von Kirdorf 1914 mit Eintrag der Mühle


Eine weitere Erwähnung gab es 1851.

1914 wurde die Kirdorfer Mühle in eine topografische Karte eingetragen. Die beiden anderen Mühlen sind jedoch auf dieser Karte nicht mehr verzeichnet.

Um 1950 kam dann das Aus der Mühle, das verfallene Gebäude wurde abgerissen.



Heutige Lage Die Kirdorfer Mühle läge heute etwa im Bereich des Kreises


Wassermühlen sind bereits seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. aus Mesopotamien, dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, überliefert.

Die ersten Mühlen in Deutschland sind seit dem 6. Jahrhundert bekannt und zwar durch ein Gesetz der Merowinger. Im frühen Mittelalter hatten nur die Grundherren die finanziellen und technischen Mittel Mühlen erstellen zu lassen. Diese wurden durch eingesetzte Müller betrieben zumeist zu lebenslanger Pacht.

Es gab oft einen „Mühlenzwang“. Die Bauern des Grundherren waren gezwungen das Korn in der Mühle seines Herren mahlen zu lassen. Aber auch freie Bauern mussten dort mahlen lassen. Wurde das nicht befolgt drohten schwere Strafen und das galt noch bis ins 18. Jahrhundert. Die französische Besatzung schaffte den Mühlenbann ab.

Die Mühlengerechtigkeit war ein großes Thema im Mittelalter und führte zu etlichen Konflikten. Ebenso war die Glaubwürdigkeit der Müller ein Thema. Der Müllerberuf gehörte nicht zu den ehrbaren Berufen.




Literatur

Lacomblet, Jos.

Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, 1846

Sommer, Susanne

Mühlen am Niederrhein. Die Wind- und Wassermühlen des linken Niederrheins im Zeitalter der Industrialisierung (1814-1914).
(= Werken und Wohnen. Volkskundliche Untersuchungen im Rheinland, Bd. 19).
Köln / Bonn 1991

Vogt, Hans

Niederrheinischer Wassermühlenführer.
(Hrsg.: Verein Niederrhein e.V.)
Kleve, 2. Aufl. 1999

Online

Mühlenrecherche

Rheinisches Mühlen-Dokumentationszentrum e.V. RMDZ
http://www.rmdz.de/


von H.-T. Dolfen, 2017