Alte Stadtkarte von Bedburg entdeckt

Gezeichnet und signiert von Franciscus Mülhens,
22. Juni 1772.

Stadtkarte von 1772

Franz Inden vor der alten Stadtkarte.

Foto Norbert Kurth
Bedburg-Lipp - Franz Inden war ganz schön überrascht, als ihn Familie Luge bat, eine alte Landkarte zu besichtigen. Die, so hieß es, habe die Familie auf dem Dachboden gefunden. Die Neugierde auf alte Schätze braucht man bei Inden, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Bedburger Geschichtsvereins, nicht erst zu wecken. Also machte sich der 82-jährige Bedburger auf den Weg – und kam anschließend aus dem Staunen nicht mehr heraus. Vor ihm lag nicht etwa eine alte Tranchot-Karte, sondern eine, die noch viel älter war. Gezeichnet und signiert von Franciscus Mülhens, 22. Juni 1772. Woher die Karte genau stammt, konnte Inden noch nicht herausfinden. „Wir waren alle sehr angetan“, erinnert er sich an den Augenblick, als er die Karte dem Geschichtsverein präsentierte. Schon damals sei im Vorstand des Geschichtsvereins klar gewesen: „Wir wollen die Karte der Öffentlichkeit zeigen. “ Zunächst aber ließ Inden einige wenige Kopien anfertigen. Sein Sohn Arnd ist Vermessungsingenieur und weiß, wie man die über einen Quadratmeter große Karte ordentlich vervielfältigt. Ein Exemplar brachte Inden daraufhin zu Bürgermeister Sascha Solbach, der sich ebenfalls begeistert zeigte und versprach, die Kopie im Rathaus aufzuhängen.

Die Erft hieß Arft

Das Städtchen Bedburg ist nur ein kleiner Fleck auf der großen Karte. Schloss, Markt und Kloster sind eingezeichnet, die Erft hieß damals Arft und ein Nebenarm ist als „Rohr Weiher“ eingezeichnet. Der Bereich, auf dem einst die Villa Silverberg gestanden hat und auf dem später der Toom-Martk errichtet wurde, ist als „Kleiner Bend“ bezeichnet. Häuser sind nur oberhalb und seitlich des Schlosses, also in Richtung Graf-Salm- und Klosterstraße, eingezeichnet. Das Kloster, aus dem später das Krankenhaus wurde, ist auf dem alten, gut erhaltenen und sehr festen Leinenstück gut erhalten. Mit scharfen Grundstücksgrenzen verzeichnet sind die damaligen Besitztümer. Neben den „Hochgräflich Salm’schen“ Besitztümern und Liegenschaften, gehörten die Domherren von Hillesheim, die Augustiner des Klosters Bedburg, der Deutsche Orden oder der Voigt Oeppens zu den Eigentümern. Franciscus Mülhens, ein „Geometra Juratus“, was soviel wie vereidigter Feldmesser bedeutet, hatte sich selbst davon überzeugt, dass die Grenzsteine richtig lagen. „Dass die in gegenwärtiger Karte aufgetragenen und im Register beschriebenen Stücke und Gründe sich also in Lage und Maß richtig befinden, durch mich aufgenommen und verzeichnet wurden, bescheinige (ich) hiermit eigenhändig.“
Stadtkarte von 1772

Gestaunt habe er, sagt Franz Inden, als er die uralte Karte mit den sauber eingezeichneten und notierten Besitzverhältnissen zum ersten Mal gesehen habe.
Inzwischen gibt es auch Kopien.

Foto Norbert Kurth

Daneben besaßen noch die Abtei Altenberg, das Kloster Königsdorf sowie die Freiherren von Bongard Grundstücke nahe der heutigen Innenstadt. Ebenso sind zahlreiche Einzelpersonen verzeichnet, die zu den fein gezeichneten Kästchen gehörende Grundstücke besaßen. Dazu zählten auch mehrere Hundert Parzellen im Gebiet der heutigen Orte Blerichen, Lipp/Millendorf, Königshoven sowie in der Gegend um Kirdorf. Vom Blericher Broich bis zum Glescher Kleinfeldchen hingegen waren keine Grundstücke verzeichnet. Dafür schien es dort, im feuchten Randgebiet der Erft, noch einen großen Wald zu geben.

Die Karte ist bei Franz Inden in guten Händen. Bis klar ist, wann sie wo gezeigt werden kann, bleibt sie in seinem Gewahrsam. „Die kommt nicht unter die Räder“, sagt er. „Wahrer Grundriss“, wie der Textteil auf der Karte heißt, sei ein historischer Schatz.

Mit freundlicher Genehmigung des Kölner Stadt-Anzeiger



Alte Landkarte von Bedburg, 2017